Berufliche Integration in den Internationalen Förderklassen

Am 1. Februar 2016 um 7.50 Uhr morgens standen 18 neue Schüler des Mercator Berufskollegs zum ersten Mal vor ihrem Raum in dem sie in Zukunft unterrichtet werden sollten. Einige Schüler lehnten mit tief ins Gesicht gezogener Cappy an der Wand des Flurs und beäugten die neuen Mitschüler interessiert, andere standen da und kauten auf ihrem letzten Rest Käsebrötchen herum und ein paar tippten eifrig auf ihren Smartphones. „Business as usual“ hätte man meinen können. Doch als man näher kam, bemerkte man den Unterschied zu anderen Klassen am Mercator Berufskolleg. Noch zurückhaltend und leise hörte man viele verschiedene Sprachen: Farsi, Arabisch, Kurdisch, Französisch... Nur eine Sprache hörte man nicht: Deutsch.

Der Unterricht in der ersten Internationalen Förderklasse am Mercator Berufskolleg begann. Die Schüler lernten „Ich heiße…“, Ich komme aus…“, Ich mag…“ und relativ bald auch Wörter wie „das Praktikum“, „der Beruf“ und „die Ausbildung“. Mit diesen neuen Wörtern kamen natürlich auch viele Fragen. „Welche Berufe gibt es überhaupt in Deutschland?“, „Welche Ausbildungen kann ich denn nach der Internationalen Förderklasse machen?“ oder „Wie kann ich als Automechaniker arbeiten?“

 

Dem Team der IFK wurde relativ schnell klar, dass diese vielen Fragen nicht nur im Unterricht – nicht nur in der Theorie – beantwortet werden konnten. So entstand mit der Zeit neben der Behandlung des Themenfeldes „Beruf und Ausbildung“ im Unterricht ein Netzwerk an außerschulischen Partnern zur besseren Berufs- und Ausbildungsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler.

 

Relativ bald begann eine Kooperation mit der Arbeitsagentur. Frau Klimeck und Frau Fagrach-Ghezielle kamen in regelmäßigen Abständen ans Mercator Berufskolleg, um die Schülerinnen und Schüler zu beraten und zahlreiche Fragen in Einzelgesprächen zu beantworten. Darüber hinaus wurde Kontakt mit Frau Aissa und Frau Dogan, die als Willkommenslotsinnen bei der IHK Niederrhein tätig sind, geknüpft.

 

Neben der Theorie wurde es dann auch schnell praktisch. Nach etwa einem halben Jahr besuchten die IFK-Schüler einmal in der Woche einen Praktikumsbetrieb, in dem sie besonders vor der Herausforderung standen ihr erworbenes sprachliches Wissen im DaZ-Unterricht auch „da draußen“ im Praktikumsbetrieb spontan anzuwenden.

 

Heute bewundern die Klassenlehrer der beiden Internationalen Förderklassen, Frau Velagic und Herr Moormann einen perfekt gearbeiteten Stuhl von Yazan, den er vor einer Woche in der Schreinerwerkstatt des CJD-Wesel gefertigt hat. Ob er wirklich mal etwas mit Holz machen möchte, weiß er noch nicht, schließlich hat er im Rahmen der KaoA-Maßnahme so viele verschiedene Ausbildungsberufe in Deutschland kennengelernt. Er und seine Mitschüler waren innerhalb von zwei Monaten insgesamt acht Tage beim CJD-Wesel, um praktische Erfahrungen in vielen verschiedenen Berufsfeldern zu sammeln. Man konnte sich im Verkaufen probieren, eine Holzsäge bedienen, eine Wand streichen, am Computer arbeiten und vieles mehr. Möglich gemacht wurde dies durch das Team des CJD-Wesels, die Fachlehrer in den Internationalen Förderklassen, die die Schülerinnen und Schüler begleiteten und durch den Förderverein, der großzügig die Kosten für die Busfahrt nach Wesel übernommen hat.

 

Insgesamt sind aus vagen Vorstellungen über berufliche Perspektiven immer mehr konkrete Wünsche an eine berufliche Zukunft in Deutschland bei den Schülerinnen und Schülern entstanden. Neben den Säulen der sprachlichen und gesellschaftlichen Integration, steht auch die Säule der beruflichen Integration in den Internationalen Förderklassen am Mercator Berufskolleg auf festen Füßen.

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