Abteilung ProSE: "Добре дошли във Варна!"

Für das sechste Treffen des aktuellen Erasmus Projektes „INCorporated“ erhielten alle Teilnehmer eine herzliche Einladung von der IV Language School „Frederic Joliot-Curie“ in Varna, Bulgarien. Im Fokus dieses Treffens stand die Bedeutung der außerschulischen Einrichtungen und Institutionen zur Unterstützung einer inklusiven Lehr-/Lernkultur in Schule.
Abteilung ProSE: "Добре дошли във Варна!"

Gruppenfoto vor der Schule IV Language School „Frederic Joliot-Curie“

Von Ramona Poley

Die deutsche Delegation bestehend aus Herrn Graack, dem Koordinator des Projekts, Alina und Rebecca – zwei Schülerinnen aus der bilingualen Klasse der Höheren Handelsschule und Frau Poley reiste bereits früh morgens am 27. September ab. Mit dem Flugzeug von Düsseldorf über Wien erreichten wir am Nachmittag, die am Schwarzen Meer gelegene und drittgrößte bulgarische Stadt – Varna. Am ersten Abend trafen sich die Teilnehmer aus Bulgarien, Chios (Griechenland), Finnland, Frankreich, Italien, Polen, Türkei und Deutschland zum Welcome Dinner im Hotel. Die Meisten kennen sich bereits und so war man schnell im regen Austausch und freute sich über das Wiedersehen und auf die anstehende Zusammenarbeit.

 

Den ersten Arbeitstag begannen wir mit einer Schweigeminute für unsere Kollegin und Freundin Eija Holma, die ehemalige Projektkoordinatorin der Partnerschule Ammattiopisto Luovi in Finnland. Wir zündeten neben ihrem Foto eine Kerze an und die türkische Delegation hatte zur Erinnerung eine Präsentation mit Fotos erstellt. Alle waren sehr gerührt und jeder hatte seinen ganz persönlichen Moment zum Abschied nehmen.

Im ersten Tagesordnungspunkt folgte eine Präsentation von Bulgarien über die bereits umgesetzten Maßnahmen und die Ziele um Inklusion seit dem SEN Act von 2001 im Land umzusetzen. Im Anschluss gab Polen und auch Italien einen Überblick über die gegenwärtige Situation und die Umsetzung von Inklusion sowie die Unterstützung externer Institutionen in den jeweiligen Ländern. Interessant ist der Lösungsvorschlag von Italien – das Modell 18+2 - sieht in einer Klasse max. 20 Schüler vor, wenn zwei SEN-Schüler eingeschult sind. Zudem unterstützen mindestens einer oder zwei Support-Teacher die Lehrkräfte im Unterricht.

Danach haben die deutschen Schülerinnen ihren vorbereiteten Vortrag zum Thema „Extracurricular agents in inclusive education“ gehalten. Sie haben erklärt, welche Rolle die außerschulischen Institutionen wie z.B. die Caritas oder die AWO spielen. Welche Hilfe können Eltern erhalten, wie können Lehrer, Schule und die betreffenden Schüler unterstützt werden. Hierbei wäre eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen besonders von Vorteil, denn nur so kann eine uneingeschränkte Inklusion gelingen.

Als weiteren Tagesordnungspunkt haben die italienischen, türkischen und polnischen Kollegen die Ergebnisse des Fragebogens, den jede Schule durchgeführt hat, präsentiert. Hierbei ließ sich feststellen, dass die meisten Schüler und Schülerinnen dem Thema Inklusion recht offen gegenüberstehen. Allerdings nur so lang bis die Erreichung der eigenen Ziele und der eigene Lernfortschritt nicht gefährdet wird.

Nach einem arbeitsintensiven Vormittag stärkte die Gruppe sich beim Mittagessen, bevor am frühen Nachmittag ein Treffen im Rathaus der Stadt Varna stattfand. Hier wurden die 7 europäischen Delegationen offiziell empfangen.

Im Anschluss besuchten wir die Schule - Frederic Joliot Curie -unserer bulgarischen Partner. Wir wurden von der Direktorin Veselina Toteva begrüßt und erhielten eine Führung durch das Gebäude sowie einige historische Informationen über die Schule. Natürlich gab es im Lehrerzimmer auch eine Stärkung – ein besonders leckeres Brot, das man in eine Gewürzmischung dippen konnte und zu unserer Überraschung reichte man auch Lebkuchen eines deutschen Discounters. Danach besuchten wir eine Theateraufführung von Schülern der Schule. Das besondere an dem Stück: - hier spielten SEN Schüler und Schüler ohne Behinderung zusammen – ein Highlight! Die Schauspieler waren stolz nach der Aufführung und genossen den Applaus und die Standing Ovation.

Der nächste Programmpunkt folgte – eine kurze Stadtführung durch Varna. Hierbei begleiteten uns die bulgarischen Studenten und zeigten uns die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt. Mit einem gemeinsamen und sehr leckerem Abendessen im Restaurant – The old plane-tree - neigte sich der erste Tag mit vielen neuen Eindrücken und Informationen dem Ende.

Den zweiten Arbeitstag haben wir mit der Besichtigung einer Sekundarschule, die vorwiegend Schüler aus sozial schwachen Familien sowie Kinder und Jugendliche von Roma und Sinti unterrichtet, begonnen. Frau Shirokova, die Direktorin der Schule und ihre Kolleginnen haben uns sehr eindrucksvoll, in einem eigens eingerichteten Raum, geschildert, wie SEN Schüler vor Ort unterstützt und begleitet werden können. Bei dem Besuch der Schule, die in Zusammenarbeit mit dem regionalen Inklusionszentrums versucht den Inklusionsprozess bestmöglich umzusetzen, habe ich mich sehr stark an meine ersten Berührungen mit SEN Studenten erinnert gefühlt. Als ich von 2003 bis 2005 als Fremdsprachenassistentin am South Cheshire College in Crewe, England gearbeitet habe, wurde Inklusion dort bereits gelebt.

Im Anschluss daran haben wir die Organisation und Institution „Karin Dom“ besucht. Ivan Stancioff, der Gründer und Geschäftsführer der Stiftung hatte eine Nichte – Karin, die mit geistiger Behinderung geboren wurde. Sie gab den Anlass zum Aufbau der Stiftung. 52 Angestellte darunter Psychologen, Sprach-, Musik- und Physiotherapeuten sowie Lehrer, Sozialarbeiter und Kinderärzte arbeiten in dem ehemals der Familie gehörenden Anwesen für die, seit 1996 bestehende, Stiftung. Hochqualitative Therapien und Rehabilitationsmaßnahmen werden vor Ort für Kinder und Jugendliche bereitgestellt. Zusätzlich werden Informationsveranstaltungen und Schulungen für Eltern angeboten, damit sie im Umgang mit ihren besonderen Kindern lernen sie bestmöglich zu fördern. Außerdem können Eltern an organsierten Treffen teilnehmen und so ihre Erfahrungen austauschen. In extra ausgestatteten Räumen werden die Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern angeleitet und unterstützt. Moderne Therapien, erprobte und anerkannte Programme wie bspw. das Bobath Konzept oder die Trampolin Therapie werden hier durchgeführt. Bei der Führung durch das Gebäude erhielten wir die Möglichkeit in Kleingruppen die unterschiedlichsten Räumlichkeiten, wie Beratungs-, Spielgruppen- oder Lichttherapieräume zu besichtigen. Wir waren alle beeindruckt über den bedeutenden Beitrag den die Organisation im Inklusionsprozess in Bulgarien bereits geleistet hat und weiterhin leisten wird.

Danach fuhren wir zurück zum Hotel. Nun fanden die Schüler sich in Kleingruppen zusammen und führten Interviews mit Sozialarbeitern, Psychologen und Sachverständigen durch, um der Gruppe die Ergebnisse zu präsentieren.

Am Nachmittag trafen sich alle Koordinatoren der einzelnen Länder, um Terminabsprachen zu treffen und ein mögliches Folgeprojekt zu diskutieren.

Im Anschluss besichtigten wir den neobarocken Palast Euxinograd – die Sommerresidenz der bulgarischen Zaren - und den umliegenden Schloßpark, bevor wir zum gemeinsamen Abendessen gingen.

Am Samstag, den 1. Oktober erwartete uns ein umfangreiches Exkursionsprogramm. Wir starteten den Tag mit der Besichtigung des Aladža manastir. Das Höhlenkloster ist in 20 Metern Höhe in den Fels gehauen und seine Entstehung wird im 14. Jahrhundert vermutet. Treppen verbinden die Räume des Aladža-Kloster wie die Mönchszellen und die Kapelle miteinander. Auf dem Gelände befindet sich auch ein kleines Museum, welches sehr anschaulich die Geschichte des Klosters zeigt.

Der nächste Programmpunkt war der Besuch der kleinen Hafenstadt Balchik. Dort besichtigten wir den botanischen Garten und das kleines Sommerschloss, der rumänische Königin Maria. Sie war von der Lage Balchiks so begeistert, dass sie dort ab 1924 das Schloss bauen und den Garten anlegen ließ.

Der Abschluss unseres Kulturprogramms war der Besuch des Kaps Kaliakra. Das zerklüftete Kap ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Hier kann man bei einem Spaziergang die Reste der Festung und den Leuchtturm von 1901, der leider nicht zugänglich ist, besichtigen.

Auf der Rückfahrt zum Hotel waren die meisten von uns mit der Fülle an Informationen und vielen Eindrücken etwas erschlagen, sodass es sehr ruhig im Bus wurde.

Nach dem Abendessen im Hotel führte eine kleine Folkloregruppe Tänze zu bulgarischer Volksmusik vor. Die erfahrenen Projetteilnehmer ahnten bereits was kommen würde. Nach der Aufführung wurden alle Zuschauer aufgefordert unter Anleitung einfache Schrittkombinationen nach zu tanzen. Wir trainierten die Lachmuskeln, verbrannten die Kalorien des reichhaltigen Abendessens und hatten sehr viel Spaß. Danach war es an der Zeit zum Abschied nehmen, denn einige Delegationen traten ihre Rückreise sehr früh an.

Rückblickend haben wir an lehrreichen Veranstaltungen und interessanten Besichtigungen teilgenommen, sind netten Menschen begegnet und haben ein gelungenes Projekt miterlebt.

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