Abteilung ProSE: Feedbackkultur in Europa

Unser laufendes EU-Projekt „Visible Teaching4Performance“ (kurz: VT4P) beschäftigt sich im Kern mit der Frage: Wie kann Lernen am effizientesten gestaltet werden? Ausgangspunkt zur Beantwortung dieser Fragestellung bildet die Meta-Studie von John Hattie, die auf der Grundlage von über 800 Metaanalysen überraschende Ergebnisse zu den Einflussgrößen auf die Lernleistung der Schülerinnen und Schüler liefert.

Der Fokus des zweiten Treffens der Partnerländer und deren Delegierten aus Bulgarien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Polen, Portugal und der Türkei lag zu einem auf dem Austausch der individuellen Feedbackbögen der Projektpartner, zum anderen auf der Umsetzung kollegialer Hospitation in der Praxis.

Am Mittwoch, den 14. November ging es für die Kolleginnen Alexandra Cleve, Ramona Poley und Jutta Wehling zum 2. Lehrerprojekttreffen (2.TPM) im laufenden EU-Projekt „Visible Teaching4Performance“. Wir starteten in der Früh und machten uns mit dem Taxi auf den Weg nach Düsseldorf zum Flughafen. Nach einem längeren Aufenthalt in Rom, ging es weiter nach Lamezia Terme, von wo aus wir mit dem Mietwagen nach zweistündiger Fahrt gegen 21 Uhr endlich in Crotone ankamen. Crotone, eine italienische Gemeinde mit ca. 64000 Einwohnern, liegt in der Region Kalabrien am Ionischen Meer und beheimatet unsere langjährige Partnerschule, das Instituto Istruzione Superiore „Pertini-Santoni“. Im Hotel wurden wir sehr freundlich von einem unserer italienischen Gastgeber empfangen und beim Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant trafen wir auf die Projektpartner der anderen Partnerschulen und Länder. Wir tauschten uns über unsere Anreise aus und sprachen über Erwartungen an und Wünsche für das gemeinsame Projekttreffen.

Am nächsten Tag, unserem ersten gemeinsamen Arbeitstag, wurden wir in der Aula unserer italienischen Partnerschule von der Schulleiterin Frau Ida Sisca und der italienischen Projektkoordinatorin Frau Ornella Pegoraro offiziell willkommen geheißen. Eine Gruppe italienischer Schülerinnen und Schüler gab uns mit Hilfe einer sehr gelungenen Power Point Präsentation einen guten Überblick über die Region Kalabrien und die Stadt Crotone. Abgerundet wurde die offizielle Begrüßung durch eine musikalische Einlage der Schüler.

Im ersten Teil der Arbeitsphase berichtete Hanna Skowronska von ihrem persönlichen Treffen mit John Hattie in London. Hanna kommt von unserer polnischen Partnerschule und ihr obliegt im laufenden Projekt die Gesamtkoordination. Im weiteren Verlauf ihres Berichtes referierte sie über die Relevanz der erforschten Kriterien wie beispielsweise die Erwartungen der SchülerInnen an den Unterricht und das Feedback an den Lehrer sowie deren Wichtigkeit im Lehr- und somit auch im Lernprozess. Gerade diese beiden Kriterien, in Form offener Fragen in einem Fragebogen (Feedbackbogen) an die SchülerInnen gerichtet, fördern die Bedürfnisse und Wünsche zutage, die, wenn sie von der Lehrperson umgesetzt werden, den Lehrprozess viel zielgerichteter steuern können und somit den Lernerfolg steigern.

Nach einer kurzen Kaffeepause präsentierten die Partner aus Polen, Finnland und Frankreich ihre Lehrerfeedbackbögen. In Finnland gibt es beispielsweise einen Feedbackbogen, welcher von der örtlichen Schulbehörde entwickelt wurde und obligatorisch an allen 20 Schulen (Luovi) eingesetzt werden muss. Die einzelnen Standorte und Abteilungen erhalten dann von der Schulbehörde eine Rückmeldung über die Ergebnisse.

Im Anschluss setzten wir uns in internationalen Gruppen mit den Feedbackbögen aller Partnerländer auseinander und besprachen Gemeinsamkeiten und Unterschiede (best-practice exchange). Trotz (oder gerade wegen) eines sehr guten kollegialen Austauschs war es uns nicht möglich uns auf einen gemeinsamen Feedbackbogen zu einigen. Dafür sind die strukturellen wie organisatorischen Gegebenheiten an den teilnehmenden Partnerschulen einfach zu unterschiedlich. So sind die finnische sowie die griechische Schulen Förderschulen. Ein Feedbackbogen an den dortigen Schulen obliegt anderen Anforderungen als an unserem Berufskolleg in Moers. Jedoch kristallisierten sich, über alle Gruppen hinweg, insgesamt sieben Fragen heraus, die alle Gruppen ähnlich formuliert und somit als relevant erachtet hatten. Diese werden nun auf TwinSpace der Homepage des Projekts veröffentlicht und von uns im Feedbackbogen in unserem Unterricht erprobt. Diese Erfahrungen werden ausgewertet und im nächsten Treffen in Portugal (voraussichtlich im März 2019) vorgestellt. Somit können, aus den unterschiedlichen Erfahrungen heraus, notwendige Anpassungen vorgenommen werden.

Nach der Mittagspause stellte Ramona Poley das an unserer Schule implementierte Prinzip der kollegialen Hospitation vor und die deutsche Delegation stand im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Aufgrund unserer persönlichen Erfahrung in diesem Bereich konnten wir unseren Projektpartnern die Fragen fundiert beantworten und etwaige Bedenken minimieren.

Am späteren Nachmittag lauschten wir dem Concert des Magna Graecia Orchesters, einem Schulorchester, das bereits schon international zu hören und zu sehen war. Auch die europäische Hymne wurde gespielt, welche unser Zusammengehörigkeitsgefühl noch einmal stärkte. Beschwingt verbrachten wir einen gemeinsamen Abend in einem Restaurant in der Altstadt von Crotone.

Am nächsten Morgen wurden wir um 9.00Uhr im Rathaus von Crotone durch den stellvertretenden Bürgermeister Francesco Pesce begrüßt. In seiner Rede stärkte Herr Pesce den europäischen Gedanken und hob die Besonderheit unser aller Zusammenarbeit hervor. Dabei verwies er das ein oder andere Mal auf Pythagoras, einen berühmten Sohn der Stadt.

Für den weiteren Vormittag stand ein praktischer Teil auf dem Programm. So war geplant, dass wir uns in internationalen Gruppen den Unterricht an unserer Partnerschule ansehen und die Idee der kollegialen Hospitation in die Praxis umsetzen. Leider gab es an diesem Tag in Crotone einen Schülerstreik (für bessere Unterrichtsbedingungen), so dass wir die Planung so nicht umsetzen konnten. Durch die gute Organisation des italienischen Projektteams und die Motivation einiger Schülerinnen und Schüler (die trotz Streik zur Schule gekommen waren um das Projekt zu unterstützen), konnten wir doch bei kleineren Unterrichtssequenzen hospitieren und das Prinzip der kollegialen Hospitation anwenden. Am Nachmittag trafen sich die Projektkoordinatoren der jeweiligen Partnerländer und trafen Absprachen über das weitere Vorgehen des Projektes.

Am Samstag stand der sogenannte „Social Day“ auf dem Programm. Wir besuchen gemeinsam die Ausgrabungsstätte Capo Colonna. Dies beinhaltete auch einen Museumsbesuch, in dem alte Fundstücke begutachtet werden konnten. Anschließend besuchten wir in Sant‘ Andrea Büffelställe, sowie die angeschlossene Käserei. Im angeschlossenen Restaurant verköstigten wir dann einige der Produkte. Am späten Nachmittag ging es noch nach Le Castella, wo wir uns die stimmungsvoll beleuchtete Festung (welche im Meer liegt) anschauten.

 

Nach einem gemeinsamen Abschlussessen hieß es „Auf Wiedersehen“, „Arrivederci“, „Au revoir“ und vieles mehr. Am Sonntag machten wir uns auf den Nachhauseweg und landeten am Nachmittag in Düsseldorf.

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