1 Schülerin, 2 Schüler, 3 Geschichten: Unser neues Leben in Deutschland

Merih, Estrgen und Emil sind seit 2015 am Mercator Berufskolleg in Moers. Sie besuchten zwei Jahre lang die Internationale Förderklasse (IFK) und beenden nun die Berufsfachschule mit dem Hauptschulabschluss. Merih und Emil werden im August als Folge der KAoA-Projekte unserer Schule eine Ausbildung beginnen, Estrgen wird weiterhin unsere Schule besuchen, um später ihr Abitur zu erlangen. Hier erzählen Sie ihre Geschichten:

Merih (20 Jahre)

„Mein Name ist Merih. Ich bin seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Mein Heimatland Eritrea ist eine Diktatur. Ich musste es verlassen, um der Militärpflicht und der Verfolgung zu entgehen. Für Deutschland habe ich mich entschieden, weil mir eine bessere Schulbildung, Freiheit und Sicherheit sehr wichtig sind. Mein Schulpraktikum bei einem Elektro-Meisterbetrieb hat mir Spaß gemacht und ich habe die Chance auf eine Lehrestelle bekommen. Im August fange ich die Ausbildung zum Elektroniker an. In Deutschland gefallen mir die Schulbildung und der Schutz durch soziale Sicherheit. Mir gefällt an Deutschland nicht, dass viele Flüchtlinge es sehr schwer haben, eine Arbeitsstelle zu finden und dass sie von manchen vorverurteilt werden. Ich bin zufrieden mit meiner derzeitigen Situation, weil ich die Chance habe, mir eine Zukunft aufzubauen. Mir gefällt am Mercator Berufskolleg der Lernstil, dass alle Lehrerinnen und Lehrer mit verschiedenen Hilfsmethoden mit uns arbeiten und uns etwas beibringen. Nicht so gut gefällt mir das Verhalten einiger Schülerinnen und Schülern im Unterricht.

In fünf Jahren sehe ich mich als gelernter Elektriker mit einer festen Arbeitsstelle.“

 

Estrgen (20 Jahre)

„Ich lebe mit meiner Familie in Deutschland. Wegen des Krieges in Syrien verließen wir unser Heimatland. Wir haben uns für Deutschland entschieden, weil Deutschland ein demokratischer und sicherer Staat ist. Deswegen möchte ich in Deutschland bleiben und meine Ziele erreichen. Mein größter Wunsch ist Architektin zu werden. Ich bin zufrieden mit meiner derzeitigen Situation, weil ich mit meiner Familie zusammen bin. In Deutschland gefällt mir, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Am Mercator Berufskolleg sind alle Lehrerinnen und Lehrer sehr nett zu den Schülern und helfen uns gerne.

In fünf Jahren sehe ich mich an der Universität.“

 

Emil (18 Jahre)

„Ich heiße Emil und bin in Aserbaidschan geboren. Seit Juli 2015 lebe ich in Deutschland. Ich habe mein Heimatland aus politischen Gründen verlassen. In Norwegen wurde mir keine Aufenthaltserlaubnis gegeben. Danach bin ich nach Deutschland gekommen. Mein Wunsch ist, dass ich in Deutschland eine Zukunft bekomme. Diese Chance hat sich bei einem Besuch unserer Klasse in einer Kartonfabrik ergeben. Ich erhielt dabei die Möglichkeit, direkt mit dem Betriebsleiter zu sprechen und bekam dort einen Praktikumsplatz. Nun werde ich in dem Betrieb im September eine Ausbildung als Packmitteltechnologe beginnen. Mir gefallen die Schule und das Arbeitssystem in Deutschland aber von einigen deutschen Bürgern bin ich enttäuscht. Derzeit bin ich mit meiner Situation zufrieden, denn bis jetzt ist alles gut gelaufen. Am Mercator Berufskolleg gefällt mir, dass es nette Lehrer gibt.

Ich sehe mich in fünf Jahre als gelernter Packmitteltechnologe.“

 

Für mich als Lehrer am Mercator Berufskolleg war es eine tolle Erfahrung, die drei und ihre Klassenkameraden zu unterrichten. In der Klasse herrschte überwiegend eine gute Atmosphäre und die Lernfortschritte waren wegen des großen Engagements der meisten Schülerinnen und Schüler hoch. Besonders die Projekte, die wir im Rahmen der KaoA-Initiative (Kein Abschluss ohne Anschluss) der Landesregierung NRW durchgeführt haben, nahm die Klasse dankbar und mit großem Interesse an. Im Namen aller Kolleginnen und Kollegen wünsche ich den Schülerinnen und Schülern viel Erfolg und das nötige Glück bei der Erreichung ihrer Ziele.

von Fridjof Lücke

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